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Richtlinien der Bremischen Evangelischen Kirche
für den Umgang mit suchtkranken und suchtgefährdeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Vom 14. November 2011

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§ 1
Gegenstand und Geltungsbereich

1 Diese Richtlinien regeln Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Suchtgefahren und den Umgang mit Problemen und Konflikten, die aus dem Gebrauch von Suchtmitteln entstehen, innerhalb der Gemeinden und Einrichtungen. 2 Suchtmittel im Sinne der Richtlinien sind insbesondere Alkohol, psychisch wirksame Medikamente und andere bewusstseins- und/oder verhaltensändernde Drogen und Stoffe. 3 Der Konsum von Suchtmitteln im privaten Bereich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nur insofern Gegenstand dieser Richtlinien, als er die Einhaltung der arbeitsvertraglichen bzw. dienstrechtlichen Verpflichtungen beeinträchtigt.
4 Diese Richtlinien gelten für alle Beschäftigten einschließlich der hauptamtlichen Leitungspersonen.
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§ 2
Ziele der Richtlinien

Diese Richtlinien sollen
Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen spezifische Richtlinien und Handlungsmuster für die Bewältigung von Suchtgefahren und den daraus entstehenden Konflikten anbieten,
die Gleichstellung von suchtgefährdeten und suchtkranken Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit anderen Kranken sicherstellen und einer Abwertung oder Diskriminierung der Betroffenen entgegenwirken,
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem verantwortungsbewussten Gebrauch von Genussmitteln und/oder Medikamenten, die bewusstseins- oder verhaltensändernd wirken, unterstützen oder sie in ihrem Verzicht darauf bestärken,
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Probleme mit Suchtmitteln haben, rechtzeitig geeignete Hilfe anbieten,
den Suchtgefahren am Arbeitsplatz in geeigneter Weise vorbeugen,
die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten,
die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Einrichtung fördern,
die Gesundheit der Beschäftigten erhalten.
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§ 3
Grundsätzliche Feststellungen zur Suchtmittelproblematik

1 Die Abhängigkeit von Suchtmitteln ist arbeits- und sozialrechtlich als Krankheit anerkannt. 2 An diesem Grundsatz orientieren sich alle betrieblichen Maßnahmen zur Suchtmittelproblematik. 3 Angemessene Hilfen bei Suchtgefährdung und Suchterkrankung haben Vorrang vor arbeitsrechtlichen bzw. disziplinarrechtlichen Maßnahmen.
4 Neben individuellen sind auch betriebliche Faktoren und das Verhalten von Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten bei den Suchtproblemen der Betroffenen als möglicherweise suchtfördernde oder -aufrechterhaltende Bedingungen mit zu berücksichtigen (Co-Abhängigkeit – psychosozialer Ansatz).
5 Diagnostizierte Suchtmittelgefährdung oder -abhängigkeit bedarf einer ambulanten oder stationären Behandlung im Therapieverbund (psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstellen, Fachkliniken und Selbsthilfegruppen).
6 Mit einem Rückfall nach oder während einer Suchttherapie muss bei Suchterkrankungen gerechnet werden. 7 Er gehört zum Krankheitsbild und wird entsprechend behandelt. 8 Gemeinden und Einrichtungen fördern eine suchtmittelfreie Lebensweise ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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§ 4
Aufgaben der Suchtprävention, Suchtbeauftragte/r, Suchtkrankenhelfer/in

1 Aufgaben des/der Suchtbeauftragten sind die
Beratung der Dienststellenleitungen, der Personalabteilung, der Mitarbeitervertretungen in allen Fragen der Suchtprävention und der Hilfe bei Abhängigkeitserkrankungen,
Analyse innerbetrieblicher Risikofaktoren,
Planung und Durchführung vorbeugender Maßnahmen, Projekte und Schulungen,
Bildung und Betreuung eines Kreises ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer/innen aus den verschiedenen Berufsgruppen, die Betroffenen als Vertrauensleute zur Seite stehen können,
Kooperation mit psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke sowie mit anderen außerkirchlichen Ansprechpartner/inne/n,
Erstellung von Erfahrungsberichten zur Fortentwicklung der innerbetrieblichen Suchtprävention.
2 Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind berechtigt, sich an den/die Suchtbeauftragte/n zu wenden, selbstverständlich auch, wenn Vorgesetzte betroffen sind.
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§ 5
Aufklärung und Prävention

1 Die Mitarbeiterschaft wird über die Suchtproblematik, deren Hintergründe und Behandlung informiert. 2 Alle Einrichtungen und Mitarbeitervertretungen sowie die Mitglieder der Personalabteilung und Mitarbeiter/innen mit Personalverantwortung erhalten ein Exemplar dieser Richtlinien ausgehändigt. 3 Die Richtlinien sollen auf Mitarbeiterversammlungen vorgestellt und erläutert werden.
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§ 6
Fortbildung

1 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Personalverantwortung, Kirchenvorstandsmitglieder und die an der Suchtberatung beteiligten Personen sollen für die Umsetzung dieser Richtlinien geschult werden. 2 Über die Freistellung und die Kostenübernahme ist nach Maßgabe der Richtlinien zur berufsbezogenen Qualifizierung1# zu entscheiden.
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§ 7
Gebrauch von Suchtmitteln

1 An allen Arbeitsplätzen und in allen Tätigkeitsbereichen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehalten, darauf zu achten, dass sie während der Ausübung ihrer Tätigkeit nicht unter dem Einfluss von Suchtmitteln stehen. 2 Bei innerbetrieblichen Feiern oder Einladungen sind gleichrangig alkoholfreie Getränke anzubieten.
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§ 8
Beseitigung innerbetrieblicher Ursachen

1 Gehäufter Gebrauch von Suchtmitteln oder Medikamenten in bestimmten Bereichen wird mit den Betroffenen, Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten gemeinsam besprochen. 2 Es werden Maßnahmen zur Beseitigung der Ursachen erörtert und umgesetzt.
3 Innerbetriebliche Ursachen können z. B. sein:
  1. die Situation am Arbeitsplatz selbst (z. B. unklare Arbeitsstrukturen, Umgebungsbelastungen, eintönige Arbeit, geringer Handlungsspielraum, Über- und Unterforderung, Ärger mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen, Isolation am Arbeitsplatz, übermäßige Vermischung von Öffentlichkeit und Privatleben, widersprüchliche Anweisungen und unklare Abgrenzung, negative berufliche Zukunftserwartungen, ungünstige Arbeitszeitregelung);
  2. suchtfördernde Arbeitsbedingungen (z. B. Trinken zu vielen Gelegenheiten, Belastung im seelsorgerlichen Dienst, unzureichende Freizeitregelung, Tabuisierung, hohe Kommunikationsanforderungen, überhöhte Anforderungen an sich selbst);
  3. Griffnähe von Alkohol und Medikamenten.
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§ 9
Maßnahmen und Hilfsangebote für Suchtmittelgefährdete und -abhängige

1 Die Maßnahmen und Hilfsangebote für Suchtmittelgefährdete und -abhängige bestimmen sich nach folgender Interventionskette:
Erste Auffälligkeit (Stufe 1)
Entsteht der Eindruck, dass ein/e Mitarbeiter/in abhängigkeitsgefährdet ist bzw. eine Abhängigkeit besteht, führt der/die Vorgesetzte mit dem/der Betroffenen ein vertrauliches Gespräch, verbunden mit dem nachdrücklichen Hinweis auf interne und externe Hilfsangebote und Beratungsstellen.
Erneute Auffälligkeit (Stufe 2)
Ist im Verhalten des/der Betroffenen in überschaubarer Zeit (ca. 1 Monat) keine Verhaltensänderung festzustellen, findet ein erneutes Gespräch unter Hinzuziehung des/der Suchtbeauftragten statt. Das Gespräch hat keine personellen Konsequenzen. Der/die Betroffene wird aufgefordert, die Angebote der Sozial- und Suchtberatung in Anspruch zu nehmen.
Erneute Auffälligkeit (Stufe 3)
Ändert sich auch dann das Verhalten des/der Betroffenen nicht, so wird ein drittes Gespräch geführt. Zusätzlich zu den drei Personen der Stufe 2 nehmen ein Mitglied der Personalabteilung und ein/e Mitarbeitervertreter/in daran teil. Der/die Betroffene wird aufgefordert, die Angebote der Sozial- und Suchtberatung in Anspruch zu nehmen. Wegen des bisherigen Verhaltens erhält der/die Betroffene eine Ermahnung.
Erneute Auffälligkeit (Stufe 4)
Verändert sich das Verhalten abermals nicht, erfolgt ein weiteres Gespräch. Dabei können ein/e betriebliche/r Suchtkrankenhelfer/in und ein/e Angehörige/r teilnehmen. Es erfolgt bei privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen eine Abmahnung mit Kündigungsandrohung bzw. bei öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen ein Verweis mit Androhung einer Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit oder Androhung der Erhebung einer Disziplinarklage, jeweils mit nochmaligen, konkreten Auflagen, Hilfsangebote (z. B. ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung) in Anspruch zu nehmen.
Erneute Auffälligkeit (Stufe 5)
Werden die Auflagen nicht befolgt, wird die Kündigung ausgesprochen bzw. eine Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit eingeleitet oder eine Disziplinarklage erhoben. Nach abgeschlossener Rehabilitation kann eine (evtl. befristete) Wiedereinstellung, verbunden mit entsprechenden Auflagen zu Nachsorgemaßnahmen, erfolgen.
2 Die Einzelheiten der Interventionskette ergeben sich aus der Anlage2# zu diesen Richtlinien.
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§ 10
Nachsorge

1 Hat ein/e Mitarbeiter/in in ungekündigtem Arbeitsverhältnis eine Therapiemaßnahme abgeschlossen, führt der/die unmittelbare Vorgesetzte mit dem/der Betroffenen Gespräche; an diesen Gesprächen soll eine an der Suchtberatung beteiligte Person teilnehmen. 2 Ziel der Gespräche ist die Wiedereingliederung des/der abstinent lebenden Betroffenen, seine/ihre Begleitung und Unterstützung. 3 Der/die Vorgesetzte trägt dafür Sorge, dass der/die Betroffene nach Möglichkeit wieder voll in den Kreis der Kolleginnen und Kollegen integriert wird und in seinen/ihren Abstinenzbemühungen von allen akzeptiert und unterstützt wird. 4 Die Betroffenen sollen auf die Möglichkeit einer Hilfestellung durch die ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer/innen hingewiesen werden.
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§ 11
Rückfall

1 Ein Rückfall nach Abschluss einer Therapie gehört zum Krankheitsbild der Suchtmittelabhängigkeit. 2 Er wird wie eine Neuerkrankung gewertet. 3 Die Maßnahmen des § 9 werden ab Stufe 3 erneut durchgeführt.
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§ 12
Schweigepflicht

1 Beteiligte an den Gesprächen mit dem/der betroffenen Suchtkranken oder Suchtgefährdeten haben stets die Schweigepflicht zu wahren. 2 Nur mit ausdrücklichem Einverständnis des/der Betroffenen dürfen Gesprächsinhalte an Dritte weitergegeben werden.
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§ 13
Umsetzung

Arbeitgeber und Mitarbeitervertretungen verfahren entsprechend den Richtlinien oder schließen eine Dienstvereinbarung ab.

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1 ↑ Nr. 7.510.
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2 ↑ Nicht abgedruckt.