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Ordnung
für den Vorbereitungsdienst der Vikare und Vikarinnen
in der Bremischen Evangelischen Kirche

Vom 22. Februar 1996

(GVM 1996 Nr. 1 Z. 7)

Änderungen

Lfd.Nr.
Datum
Fundstelle
1
7. Mai 2013
2
17. Dezember 2015
Auf Grund des § 5 Absatz 4 des Gesetzes über die Ausbildung und Anstellung der Geistlichen in der Bremischen Evangelischen Kirche1# vom 19. Mai 2000 (GVM 2000 Nr. 1 Z. 4) verordnet der Kirchenausschuss:
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§ 1

( 1 ) Vikare und Vikarinnen im Sinne dieser Ordnung sind die Kandidaten/Kandidatinnen, die nach bestandener erster theologischer Prüfung auf ihren schriftlichen Antrag durch Beschluss des Kirchenausschusses in den Vorbereitungsdienst der Bremischen Evangelischen Kirche übernommen worden sind.
( 2 ) Über Art und Umfang dieses Vorbereitungsdienstes wird der Vikar/die Vikarin von dem Schriftführer/der Schriftführerin und dem Referenten/der Referentin für die Ausbildung bei einer persönlichen Vorstellung unterrichtet.
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§ 2

1 Der Vorbereitungsdienst dient der Einführung in die Anforderungen des Pfarramtes und der theoretischen Vorbereitung und Reflexion der in der Praxis gestellten Aufgaben. 2 Er dauert insgesamt mindestens zweieinhalb Jahre. 3 Die Meldung zur zweiten theologischen Prüfung (Diensteignungsprüfung) kann nach zwei Jahren, jedoch nicht später als vier Jahre nach Ablegung der ersten Prüfung erfolgen. 4 In Ausnahmefällen kann der Kirchenausschuss von diesen Bestimmungen befreien. 5 In den letzten vier Monaten vor der Prüfung ist der Vikar/die Vikarin nicht mehr einer Gemeinde oder einem gesamtkirchlichen Amt zugewiesen.
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§ 3

( 1 ) 1 Während des gesamten Vorbereitungsdienstes soll der Vikar/die Vikarin lernen, eine eigene kritisch begründete Konzeption seiner/ihrer späteren pastoralen Berufstätigkeit zu erarbeiten und ein dieser Konzeption entsprechendes Handeln einzuüben. 2 Das Nähere ist dem vom Kirchenausschuss beschlossenen Ausbildungsgesamtplan zu entnehmen.
( 2 ) 1 Während des Vorbereitungsdienstes lernt der Vikar/die Vikarin in der Regel zwei Gemeinden unterschiedlicher Struktur und Prägung kennen, absolviert ein religionspädagogisches Praktikum (Schulpraktikum, Konfirmandenpraktikum) sowie ein geeignetes Seelsorgepraktikum und gewinnt nach Möglichkeit Einblick in die Arbeit eines gesamtkirchlichen Amtes. 2 Wo es ratsam erscheint, soll ein Praktikum bei der Gewerkschaft, beim Rundfunk oder ähnlichen, für die kirchliche Arbeit wichtigen Institutionen ermöglicht werden. 3 Der Dienst in Auslandsgemeinden hat eine Verlängerung des Vorbereitungsdienstes zur Folge; Einzelheiten regelt der Kirchenausschuss.
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§ 4

1 Die praktisch-theologische Ausbildung im Vorbereitungsdienst wird begleitet und ergänzt durch von dem Referenten/der Referentin für die Ausbildung veranstaltete regelmäßige Seminare, Studientage und Studienwochen. 2 Die Vikare/die Vikarinnen sind für diese Ausbildungsmaßnahmen freizustellen.
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§ 5

( 1 ) Der Vikar/die Vikarin ist verpflichtet, sich mit voller Arbeitskraft der Ausbildung zu widmen und die ihm/ihr übertragenen Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen.
( 2 ) 1 Der Vikar/die Vikarin wird einem Mentor/einer Mentorin zugewiesen, der/die ihn/sie in die Aufgaben und die Verantwortung des Pfarramtes einführt. 2 Der Vikar/die Vikarin ist an die Ordnung der jeweiligen Gemeinde gebunden.
( 3 ) Der Mentor/die Mentorin ist zur Kontinuität in der eigenen Fortbildung und zur Kommunikation mit den an der Ausbildung Beteiligten verpflichtet.
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§ 6

Der Vikar/die Vikarin untersteht der Dienstaufsicht des Schriftführers/der Schriftführerin, der/die zusammen mit der Theologenkommission des Kirchenausschusses und dem Referenten/der Referentin für die Ausbildung dem Kirchenausschuss gegenüber für eine ordnungsgemäße Ausbildung der Vikare/der Vikarinnen verantwortlich ist.
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§ 7

( 1 ) Der Vikar/die Vikarin erhält Bezüge nach Maßgabe des in der Bremischen Evangelischen Kirche geltenden Besoldungsrechts2#.
( 2 ) 1 Die Kosten für die Seminare und Kurse übernimmt die Zentralkasse. 2 Sie werden auf die Bezüge nicht angerechnet.
( 3 ) Die Übernahme einer bezahlten Nebentätigkeit bedarf der Genehmigung des Kirchenausschusses.
( 4 ) Für den jährlichen Erholungsurlaub gelten die allgemeinen Bestimmungen der Bremischen Evangelischen Kirche3#.
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§ 8

Kandidaten/Kandidatinnen, die nicht der Bremischen Evangelischen Kirche angehören und die von ihrer Kirchenleitung der Bremischen Evangelischen Kirche als Vikare/Vikarinnen zugewiesen werden, unterliegen für die Dauer dieser Ausbildungszeit den Vorschriften dieser Ordnung, soweit ihre zuständige Kirchenleitung nicht noch besondere Anforderungen an sie stellt.
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§ 9

1 Diese Ordnung tritt am 1. Mai 1996 in Kraft. 2 Zu demselben Zeitpunkt tritt die Ordnung für die Lehrvikare (Kandidaten) der Bremischen Evangelischen Kirche vom 6. Mai 1971 in der Fassung vom 3. Mai 1979 außer Kraft.
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Ausbildungsgesamtplan der Bremischen Evangelischen Kirche

Auf Grund § 3 Absatz 1 Satz 2 der Ordnung für den Vorbereitungsdienst der Vikare und Vikarinnen in der Bremischen Evangelischen Kirche beschließt der Kirchenausschuss Folgendes:
1 Während der gesamten Ausbildung soll der Vikar/die Vikarin an einer eigenen theologisch begründeten Konzeption pastoraler Berufstätigkeit arbeiten und entsprechendes Handeln einüben.
  1. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, sein/ihr persönliches Verhältnis zur Rolle als Amtsträger/Amtsträgerin auszubilden und zu einer eigenständigen Haltung, auch in den Rollenkonflikten im Pfarramt, zu finden.
    Dazu gehört, gemeindliche Frömmigkeit in Bezug auf die eigene Frömmigkeit wahrzunehmen und zu reflektieren.
  2. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, die eigene Arbeit – unter den verschiedenartigen Ansprüchen – in der vorgegebenen Zeit zu organisieren, vorzubereiten, durchzuführen und zu reflektieren.
  3. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, Kommunikationsprozesse bewusst zu gestalten und angemessen zu reflektieren.
    Dazu werden humanwissenschaftliche Erkenntnisse, Kenntnisse und Methoden herangezogen.
  4. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, Einstellungen und Erwartungen der Kirchenmitglieder und -nichtmitglieder wahrzunehmen und auf eigenes und gemeindliches Handeln zu beziehen.
  5. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, die Fähigkeiten anderer wahrzunehmen und in der Gemeindearbeit anzuerkennen.
  6. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, mit den institutionellen Gegebenheiten in der Gemeinde und Kirche umzugehen.
  7. Der Vikar/die Vikarin soll lernen, die Lebenswirklichkeit theologisch beurteilen zu können.
2 Die Einübung in die im folgenden genannten Handlungsfelder während der einzelnen Ausbildungsphasen des Gesamtvikariates trägt einen exemplarischen Charakter. 3 Der Vikar/die Vikarin wird darin von den für die Ausbildung Verantwortlichen begleitet und beraten.
4 Dieses geschieht im Gemeindevikariat, in Studienwochen und Studientagen des Ausbildungsreferates und in Kooperation mit gesamtkirchlichen Einrichtungen und gegebenenfalls mit Fachreferenten und Fachreferentinnen.
5 Für die einzelnen Ausbildungsphasen der Gesamtausbildung des Vikars/der Vikarin ergeben sich die folgenden gleichberechtigten Handlungsfelder.
A. Handlungsfeld:
Die Gottesdienst feiernde Gemeinde:
Lernorte:
– predigen
Gottesdienst
– öffentlich beten
Predigt
– feiern
Abendmahl
– meditieren
Andacht
– singen
Gemeindegebet
– preisen
Kirchenlied
– klagen
Liturgie
– vergeben
Laienapostolat
– segnen
Praxis pietatis
B. Handlungsfeld:
Die lernende Gemeinde:
Lernorte:
– motivieren
Konfirmandenunterricht
– unterrichten
Kinder- und Jugendarbeit
– lehren
Erwachsenenarbeit
– anleiten
Taufunterricht
– mündig werden
– Raum geben
– selbst lernen
– moderieren
C. Handlungsfeld:
Die den Menschen nachgehende Gemeinde:
Lernorte:
– besuchen
Besuchsdienst
– zuhören
Seelsorge
– einfühlen
Beichte
– trösten
Diakonie
– Gespräche führen
Kasualpraxis
– helfen
– ermutigen
– mündig werden
D. Handlungsfeld:
Die lebensgeschichtlich begegnende Gemeinde:
Lernorte:
– verkündigen
Gottesdienst
– einladen
Taufe
– begleiten
Abendmahl
– begehen
Konfirmation
– feiern
Trauung
– begrüßen
Bestattung
– verabschieden
Benediktion
Jubiläen
Besuche
E. Handlungsfeld:
Die in die Welt gesendete Gemeinde:
Lernorte:
– dazugehören
Gemeinde
– wahrnehmen
Quartier
– Kontexte wahrnehmen
Stadtteil
– urteilen
gesellschaftspolitische Verantwortung
– glauben
gesamtkirchliche Ämter und Werke
– bekennen
Kirchen
– gestalten
Ökumene
– vollziehen
benachbarte Religionen
– senden
F. Handlungsfeld:
Die sich institutionalisierende Gemeinde:
Lernorte:
– verantworten
Vorstand
– planen
Konvent
– leiten
Gemeindevertretung
– delegieren
Kirchentag
– zusammenarbeiten
Ausschüsse
– anweisen
Beiräte
– wirtschaften
Konferenzen
– informieren
Gremien
– verwalten
Gesamtkirchliche Vikariate:
Amt für Öffentlichkeitsdienst der Bremischen Evangelischen Kirche (epd, BKZ, Radio Bremen)
Bildungswerk
Diakonisches Werk
Evangelische Arbeitsstelle für Seelsorge, Beratung und Supervision
Evangelische Frauenhilfe
Evangelische Studentengemeinde
Gefängnisseelsorge
Innere Mission
Jugendbildungswerk
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Krankenhauspfarramt
Landesjugendpfarramt
Landesverband Evangelischer Kindertagesstätten
Militärseelsorge
Norddeutsche Mission
Religionspädagogische Arbeitsstelle
Seemannsmission

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1 ↑ Nr. 5.300.
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2 ↑ Nr. 5.501.
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3 ↑ Nr. 5.550.